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Werkstatt Spiritualität



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Werkstatt Spiritualität - Statement Murah Soares

Im letzten Jahr wurde unser Forum Brasil in der deutschen Presse als die erste Candomblé-Gemeinde Deutschlands gewürdigt. Dass wir unser Forum in einem christlich geprägten Land so unbehelligt, ja sogar gefördert durch die öffentliche Hand betreiben dürfen, ist keine Selbstverständlichkeit.
In unserem eigenen Land in Brasilien sehen sich die Anhänger des Candomblé zunehmend Repressalien durch evangelikale Strömungen ausgesetzt mit Übergriffen auch auf unsere Tempel und Altäre.
Die alten Naturreligionen wie etwa im Candomblé oder auch der Voodoo und andere in Afrika, werden von den Menschen vor Ort schon allein aufgrund der historischen Entwicklungen als die Unterlegenen wahrgenommen. Das Christentum verkörpert die Siegerkultur und die Evangelikalen treten als die wahren Erben dieser Kultur auf. Dabei machen sie sich auch besonders die schwierigen sozialen Verhältnisse zu Nutze und sammeln ihre Anhänger vor allem unter der armen Bevölkerung.
Das Böse, das Elend, die Armut, die Kriminalität, die Drogensucht, all das wird von den Evangelikalen auf einen einfachen Namen gebracht: Satan. Und wer nicht der Gemeinde der Evangelikalen angehört, der ist des Teufels und Schuld an der grundsätzlichen Misere.
Den interreligiösen Dialog lehnen diese Gruppen ab, wer nicht für sie ist, ist gegen sie, das reicht! Innerhalb ihrer hermetisch reduzierten Sicht, die vor jeglicher rationaler Analyse abgeschirmt und gegen jede Infragestellung immunisiert wird, entfalten diese Gruppen unter Umständen sogar Formen sozialer Fürsorge. Nach außen aber zeigen sie sich zunehmend unversöhnlich und werden von staatlichen Organen auch gefördert, unterstützt bzw. in Schutz genommen. - Minderheitenschutz, die freie Entfaltung anderer Glaubens- und Lebensweisen, das alles lehnen sie ab.

Die (theologische) Beurteilung einer fremden Religion stand in der Geschichte des Christentums schon immer in engem Zusammenhang mit dem Verhalten der Christen gegenüber den Angehörigen dieser Religion. Von daher können wir es nur von Herzen begrüßen, wenn Unternehmungen wie die Werkstatt Spiritualität dafür einstehen, den Austausch und das Verständnis zwischen den religiösen Kulturen und Traditionen zu fördern. Aus Sicht und Erfahrung unseres Forum Brasil ist dies eine wesentliche Zukunftsaufgabe, wenn unsere globalisierte Welt nicht in feindliche Lager zerfallen will.
Manchmal will es in Brasilien so scheinen, als sei das Christentum das Problem. Aber Pfarrer Peter Weigle hielt im Rahmen seines jüngsten Vortrags im Forum zu Recht fest:

"Nicht im Gottesglauben Jesu und nicht im Christusglauben der Urchristen liegt das böse Prinzip. Es liegt in jener religiösen Selbstherrlichkeit und Selbstgerechtigkeit, die Gottes Wahrheit in eigene Verwahrung nimmt, allen Zweifel an diesem Wahrheitsbesitz ausmerzt und alle Abweichung davon mit dem Bann belegt. Es liegt in jenem religiösen Fanatismus, der die eigene Sache mit der Sache Gottes identifiziert und alles, was der eigenen Sache zuwiderläuft, als dämonisch verurteilt. Wer eine solche Haltung einnimmt, dem geht Wahrheit – seine Wahrheit - vor Liebe. In seiner religiösen Selbstgefälligkeit spiegelt sich letztlich narzisstische Selbstliebe. "Wer im Namen des einen Gottes Absolutheit beansprucht, bespiegelt sich selbst und projiziert sich selbst auf Gott."

Wir wünschen der CALUMED-Werkstatt-Spiritualität viel Zuspruch und rege Beteiligung an den dringend notwendigen Diskussionen im Rahmen interreligiöser Dialoge.

Murah Soares
Priester des Candomblé in Berlin

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