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TAFELRUNDE

Renate Golde zu Gast im Studio von Radio Leinehertz. Sie spricht mit Dirk Heinrich unter anderem über ihre aktuelle Ausstellungen. 

www.leinehertz.de

www.kunstvernetzt.de

Einladung zur Ausstellung Culture Bridge in Chicago

Eine Studienreise mit Calumed nach Israel und Palästina brachte für mich tiefe und bestürzende Einblicke in diese von Kämpfen und Konflikten heimgesuchte Region. Diese Einblicke gehen mir bis heute nach, sie wirken in mir fort und haben mein künstlerisches Schaffen nachhaltig beeinflusst. Ich wurde Zeuge, wie sehr die Lebensentwürfe vieler Menschen vor Ort von diesem Konflikt geprägt und überschattet sind. Ich gewann Eindrücke über die konkrete praktische Arbeit von Organisationen, die sich für ein friedliches Miteinander von Israelis und Palästinensern einsetzen.

Immer wieder stellte ich mir dabei die Frage: Was kann ich tun? Was hat der Konflikt der Menschen dort mit mir und meiner Lebenssituation hier in Deutschland zu tun?  Welche Aufgaben ergeben sich aus meinem ‚Berührt- werden‘? Wie kann ich mich für eine globale friedvolle Mitmenschlichkeit einsetzen? „Dass zu viele Menschen zu viele Mauern und zu wenig Brücken bauen“ schrieb Isaac Newton. Ich habe in Israel so viele Mauern gesehen, dass ich irgendwann nicht mehr wusste, wer hier wen einmauert. Dadurch entstand in mir die Frage, ob die Mauern dort Spiegelbilder unserer inneren Mauern sind, denn Frieden braucht keine Mauern! Und  ich bin überzeugt, „den Schlüssel zum Frieden finden wir nur in unseren eigenen Herzen“.

Ich habe dank meiner Arbeit im Kreis von Calumed begriffen, dass alles mit allem verbunden und nichts wirklich getrennt voneinander ist,  dass wir uns alle nur Spiegel sind. Wenn nichts getrennt ist, kann auch ich hier mit meinem Leben, meiner Kunst einen Beitrag leisten, einen Unterschied machen und den Gedanken der Versöhnung, der Völkerverständigung und des Friedens weiterentwickeln und -tragen.

Kunst gibt noch nicht entfalteten Möglichkeiten eine Gestalt und lässt Freiheit greifbar werden. Mit dem Kunstprojekt „Schlüsselerlebnis“ will ich meine Erfahrungen ausdrücken, zugleich helfen Mauern abzubauen und den Calumed unterstützen. Denn Calumed fördert einzelne Menschen und Projekte, die der Völkerverständigung dienen. Das Bild „Schlüsselerlebnis“ ist also auch ein Dankeschön an Calumed. Um Menschen mit diesem Werk zu berühren, nehme ich es auch immer wieder auf Wanderausstellungen mit. 

Des Weiteren entstand in der Folge das ‚Kunstnetzwerk Tafelrunde‘, das nicht dazu dient, nur betrachtet zu werden. Es wurde geschaffen zum Mitdenken, - fühlen und –machen, um noch unbetretene Erfahrungsräume zu öffnen. Kunstinteressierte, Ideengeber, Freiheitsstifter, Kulturschaffende. Menschen aus allen Kulturen, Nationen und Religionen sind eingeladen, dieses Kunstwerk mit Leben zu füllen. Jeder ist berufen, seinen Sitz an der Tafel der Völker einzunehmen und zu gestalten. 

Der runde Tisch, Symbol der Ganzheit und der Gemeinschaft, hebt niemanden hervor und inszeniert ein Laboratorium der Zukunft, das nicht länger Herren und Knechte, sondern nur Mitgestalter kennt. Mitgestalter auf dem Weg, die noch ungeborgenen Schätze, die Potentiale der Beteiligten zum Ausdruck zu bringen und in der Gemeinschaft aller auszuleben. Zielsetzung dieses Projektes ist das gemeinsame Wachsen. Die von den beteiligten KünstlerInnen zu gestaltenden Stühle stehen symbolisch für das Recht eines jeden Menschen auf einen Platz in dieser Welt, wie auch für die Pflicht, diesen Platz bewusst und verantwortungsvoll einzunehmen und auszufüllen. Jeder Stuhl soll zudem eine Tugend zum Ausdruck bringen. Eine Tugend ist eine positive Eigenschaft, eine Quelle, ein Potential und so will das Kunstnetzwerk an das positive Menschenmögliche erinnern, es zum Ausdruck bringen und zur Mitgestaltung anregen. 

Renate Golde

Mensch werden. Mensch bleiben.