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30 Jahre Calumed

Zur Zeit der Gründung des Vereins vor 30 Jahren war das bestimmende schulmedizinische Krankheitsmodell im Wandel begriffen und damit auch das Krankheitsverständnis der Psychiatrie. Für das deutsche Krankenversicherungssystem war Krankheit damals ein „regelwidriger Zustand“, „der eine Heilbehandlung notwendig macht oder/und Arbeitsunfähigkeit zur Folge hat“. 

Wo zwei oder drei mit einer gemeinsamen Idee versammelt sind, da liegt die Gründung eines Vereins nahe. Das sagten sich damals zwei Handvoll Mitarbeiterinnen im Gesundheitswesen, die mit ihrem Engagement in der Psychiatrie für eine Öffnung hin zu neuen Therapieansätzen, für eine soziale und gemeindenahe Versorgung und gegen die Stigmatisierung psychisch Kranker an Grenzen stießen. Neben der Reformbewegung wie z.B. der Deutschen Gesellschaft für soziale Psychiatrie (DGSP) gab es damals unzählige andere Organisationen, die auf die Veränderungsprozesse im Gesundheitswesen aktiv Einfluss nehmen wollten. So auch die Gründerinnen, des „Institut für Sozial- und Gesundheitsarbeit“, die den Verein 1986  mit den Zielen „Gesundheitsförderung und Erwachsenenbildung“ ins Leben riefen. Später wurde die Satzung um den Passus „Völkerverständigung“ erweitert und der Verein in CALUMED umbenannt.

Seitdem ist einige Zeit ins Land gegangen und es hat sich vieles in der Gesundheitsversorgung, insbesondere der Psychosozialen Versorgung, zum Positiven verändert. Aus unserer Sicht werden allerdings die vielfältigen körperlichen, psychologischen und sozialen Einflussfaktoren weiterhin nicht ausgewogen und angemessen berücksichtigt. Die Definitionen von Krankheit und Gesundheit werden damit bis heute einem ganzheitlichen Verständnis nicht gerecht. 

Zudem ist angesichts modernster, technischer und medikamentöser Behandlungsmöglichkeiten Gesundheit praktisch eine Pflicht geworden. Für den Einzelnen heißt das: jederzeit arbeits- und leistungsfähig sein! Dieser enorme, gesellschaftliche Druck erschwert es einen Wandel im Krankheitsverständnis zu erreichen, der nicht nur die Krankheit, sondern auch den Menschen ernst nimmt und in seiner Persönlichkeit respektiert.

Wandel durch Umdenken

Die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 1986 verabschiedete Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung postuliert die Notwendigkeit eines Umdenkens in der Krankheitsbekämpfung. So soll Krankheit nicht mehr durch ein Denken definiert werden, das die Entstehung von Krankheit ausschließlich auf einzelne Erreger oder Risikofaktoren zurückführt. Stattdessen sollen Krankheit und Gesundheit als Prozess betrachtet werden, der immer wieder eine Balance sucht zwischen Belastung und Entspannung, zwischen Erreger und Abwehrkräften, zwischen Risikofaktoren und Schutzfaktoren, zwischen Anforderungen und Unterstützung. Demnach sollte Gesundheitsförderung darauf abzielen,

 „ … allen Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu ermöglichen und sie damit zur Stärkung ihrer Gesundheit zu befähigen.“ (WHO, 1986, S.1)

Unser Verständnis von Gesundheit

Schon 1948 beschrieb die Verfassung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Gesundheit als einen „Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen." (S. 1). Gesundheitsförderung bedeutet demnach Stärkung der gesundheitlichen Eigenverantwortung und die Aktivierung des natürlichen Selbstheilungspotentials. Ebenso wie die WHO verstehen wir Gesundheit als Grundbedingung für ein erfülltes Leben, zu der eben auch das seelische und soziale Wohlbefinden gehören.

Miteinander leben

„Um ein umfassendes körperliches, seelisches und soziales Wohlbefinden zu erlangen, ist es notwendig, dass sowohl Einzelne als auch Gruppen ihre Bedürfnisse befriedigen, ihre Wünsche und Hoffnungen wahrnehmen und verwirklichen, sowie ihre Umwelt meistern bzw. verändern können.“ (WHO, 1986, S.1)

Bei CALUMED formen individuelles Selbstbewusstsein und wertschätzende Gegenseitigkeit ein Miteinander, in dem die Erfahrung von Angenommen-Sein ermöglicht wird. Durch die Verbindung mit der Natur und die Anerkennung grundlegender Sehnsüchte, kann sich ein achtsamer Umgang mit den eigenen körperlichen und geistigen Bedürfnissen, und daraus ein ausgeglichenes, aktives und gesundes Da-Sein entwickeln. 

In unseren Veranstaltungen erarbeiten wir zudem Grundlagenwissen über Gesundheit und Gesundheitsförderung und diskutieren unterschiedliche Denkansätze und Methoden die geeignet sind, die Lebensqualität und das Wohlbefinden der Teilnehmenden zu steigern. (Bundesministerium für Gesundheit, 2016)

Denk- und Arbeitsansätze

Das sich durch die Ottawa-Charta (1986) abzeichnende neue Verständnis von Gesundheit wurde bereits bei der Gründung von CALUMED als grundlegender Denk- und Arbeitsansatz formuliert: 

  • Selbstbestimmung und die Entwicklung persönlicher Fähigkeiten.
  • Partizipation an der eigenen, an der gemeinschaftlichen und der öffentlichen Gesundheit.
  • Ein ökologisches Verständnis von Gesundheit mit einem Bezug zu öffentlich-politischem Handeln, sozialen Aktionen und unterstützenden Umwelten.
  • Aufgabe der Prinzipien „Schonung“ und „Verwahrung“ zugunsten der Ansätze „Befähigung“ und „Lebenskompetenz“ in der Gesundheitsversorgung.
  • Entwicklung von nachhaltigen Präventionskonzepten, in denen unterschiedliche Lebensstile und Identitäten von Menschen akzeptiert werden und die einen für das Individuum gangbaren Weg zur Vermeidung von Krankheit und Wiederherstellung (Rehabilitation) von Gesundheit unterstützen.

Was wir tun

Seit der Gründung des Vereins arbeiten wir unablässig an der Verwirklichung dieser Ziele. Unterstützt werden wir dabei von Kooperationspartnern aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen, verschiedenen Nationen und kulturellen Traditionen und in gemeinsamen Projekten von Umweltverbänden und sozialen Organisationen. Durch unsere Fortbildungsveranstaltungen, Seminare und Projekte, sowie unsere Studienreisen, internationalen Begegnungen, Arbeitstagungen und Kongresse schaffen wir Erfahrungsräume und Lernfelder zur Bewusstseinsentwicklung und Persönlichkeitsbildung. Dadurch tragen wir zu persönlichen, sozialen, gesellschaftlichen und ökologischen Visionen bei und begleiten deren Realisierung.

Schwerpunkt: Beratung Hochsensibilität

Obwohl hochsensible Menschen schon immer Teil der Gesellschaft sind, rückte dieses Persönlichkeitsmerkmal erst seit einigen Jahren zunehmend in die öffentliche Wahrnehmung. Etwa 15 - 20 Prozent der Menschen in der Gesamtbevölkerung gelten als hochsensibel. Den Begriff "Hochsensibilität" beziehungsweise "hochsensible Person" (HSP) prägte die amerikanische Psychologin und Psychotherapeutin Dr. Elaine N. Aron in der Mitte der 1990er Jahre. Sie versteht hierunter ein spezifisches Wesensmerkmal, welches sich vor allem durch eine gesteigerte Empfindsamkeit und Wahrnehmung auszeichnet. 

Hochsensible sind Menschen mit einem erhöhten Einfühlungsvermögen. Sie fühlen sich oftmals irgendwie "anders als andere", stoßen mitunter schneller an Belastungsgrenzen, verarbeiten Informationen intensiver, ihr Denken ist umfassender und sie haben auf diesen Grundlagen ein erhöhtes Risiko für psychische und psychosomatische Erkrankungen, etwa Angststörungen, Depression und Burnout, Traumafolgestörungen oder somatoforme Schmerzstörungen.

Unsere Beratung für Menschen mit Hochsensibilität und psychischen Erkrankungen orientiert sich an den spezifischen Bedürfnissen der Betroffenen. Erreicht werden soll zunächst ein verbessertes Verständnis für das Wesensmerkmal Hochsensibilität. Vermittelt werden dazu grundlegende Informationen zur Hochsensibilität. Es geht um "Vor- und Nachteile" dieser Eigenschaft und um die Frage, weshalb bei hochsensiblen Menschen ein erhöhtes Risiko für psychische Belastungen besteht. Die Teilnehmer erfahren mehr über sich selbst und ihr spezifisches Persönlichkeitsmerkmal. Sie lernen, mit erhöhtem Stress besser umzugehen - durch praktische Übungen, durch den Austausch miteinander sowie durch ein speziell an die Anforderungen der Hochsensibilität angepasstes Umfeld.

Mit dem Refugium – Zentrum für seelische Gesundheit– in Bispingen bieten wir einen besonderen Ort zur Beratung sowie für Maßnahmen zur Prävention belastungsbedingter psychosomatischer Störungen, zur vorstationären Krisenintervention und ambulanten Nachsorge. Es bestehen Kooperationszentren in Hamburg, Hannover und Berlin.

Ganz im Sinne des Präventionsgesetzes wollen wir mit diesem Angebot künftig verstärkt ein "neues Bewusstsein" und eine Achtsamkeit für Gesundheit herausbilden. "Die Gesundheit zu bewahren – lange bevor sich erste Vorboten einer Erkrankung zeigen – ist die Aufgabe jedes Einzelnen, aber auch Aufgabe all derer, die für die Gesundheit anderer mit Verantwortung tragen“ (Bundesministerium für Gesundheit, 2018). Die Ressourcen und Fähigkeiten, die unsere Klienten sich dabei aneignen, sind u.a. Kreativität, Intuition, Mitgefühl, Verantwortungsbewusstsein, Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit und der Respekt vor Mensch und Natur, ganz im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung. (UNESCO, 2014)

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Bundesministerium für Gesundheit (2016) Ratgeber zur Prävention und Gesundheitsförderung (pdf)
Bundesministerium für Gesundheit (2018) Fragen und Antworten zum Präventionsgesetz
UNESCO (2014). Roadmap zur Umsetzung des Weltaktionsprogramms Bildung für nachhaltige Entwicklung (pdf)
Weltgesundheitsorganisation (1946) Verfassung der Weltgesundheitsorganisation (pdf)
Weltgesundheitsorganisation (1986) Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung (pdf)

Mensch werden. Mensch bleiben.