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Esther

03.10.2021  |  Humans by Calumed

Ich bin in Ostberlin aufgewachsen und meine Welt war zwiegespalten. Draußen die DDR mit Anpassung, Uniform und jungen Pionieren, zuhause ein nach außen verborgenes offenes Leben. Meine Mutter hatte Freunde im Westen Berlins und Deutschlands und von dort kam auch Besuch zu uns. Als ich vierzehn war, ging die Mauer auf und ich konnte aufatmen, endlich kamen innen und außen zusammen. Eine aufregende Zeit.

Aber dann fragte ich mich bald: ‚Was möchte ich machen?' und eines Tages schoss förmlich eine Antwort in mich: Ich will lieben! Ich will Freude und Spaß und eine Arbeit finden, wo ich Liebe geben kann. So machte ich nach der Schule ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer Wohngruppe für Menschen mit Behinderungen. Ich entdeckte, da kann ich wirklich Liebe schenken. Später machte ich eine Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin. Und diesen Beruf übe ich bis heute glücklich aus. Auch als Mutter zweier Töchter kann ich viel Liebe schenken und teilen.

Zwischenzeitlich gab es auch viel Schweres, aber letzten Endes haben mir Vertrauen und Zuversicht geholfen. Viel habe ich auch meinem Mentor und guten Freunden zu verdanken. Und all' das trägt mich nach wie vor.

Ein Mensch ist dann ein Mensch im besten Sinne, wenn er ein großes Herz hat und authentisch ist, wenn er ein Liebender ist. Ein Freund zitierte mir vor Jahren ein kurzes Gedicht von Hanns Dieter Hüsch: ‚Ich bin gekommen, Euch zum Spaß und gehe hin, wo Leides ist und Freude und wo beides ist, zu lernen Mensch und Maß.'

Mensch werden. Mensch bleiben.