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Geld regiert die Welt

Kongress 14.10.2017 in Hannover

„Humankapital, ehedem als Unwort des Jahres gewählt, steht für eine entmenschlichte Wirtschaft, die den Menschen zu nur noch ökonomisch interessanten Größen, zu Renditequellen degradiert. Der Mensch kann seine Arbeitskraft leider nicht von sich loslösen, verkaufen, quasi getrennt veräußern und selbst zu Hause bleiben. Sie ist ein Teil von ihm, die Arbeitskraft ist ein Ausdruck der Fähigkeiten und Fertigkeiten des Menschen. Muss er seine Arbeitskraft verkaufen, muss er sich selber insoweit mitverkaufen – zu den Bedingungen und zu dem Preis, die am Markt herrschen. Der Preis ist das „Arbeitsentgelt", also Lohn oder Gehalt. Nach den Marktgesetzen ist der Preis umso niedriger, je mehr das Angebot an Arbeitsleistungen die Nachfrage übersteigt. In der immer weiter fortschreitenden Automatisierung bildet dieser Umstand die Regel und dies wird sich, bis auf wenige Ausnahmen, im derzeitigen Wirtschaftssystem nicht ändern, sondern weiter zunehmen.

Aus Sorge um den notwendigen Lebensunterhalt für sich und ihre Familien sind Menschen zunehmend gezwungen, sich als Ware behandeln zu lassen und sich mit ihrer Arbeitskraft zu immer unwürdigeren Bedingungen und Löhnen zum Verkauf anzubieten. Immer mehr Menschen müssen sich mit einem „Preis", also einem Arbeitsentgelt begnügen, das nahe an oder unterhalb der Armutsgrenze liegt und vielen trotz einer Vollzeitarbeit zum Lebensunterhalt nicht ausreicht, so dass sie entweder nachts noch weitere Arbeit annehmen, oder zusätzliche staatliche Unterstützung in Anspruch nehmen müssen.

„Der Mensch wird mehr und mehr zur Ware. In Indien bekommt man eine Niere für 300 Euro, in Afrika ein Adoptivkind für 20.000 Euro und in Russland oder in Thailand eine Frau für 800 Euro. Der Mensch - unbezahlbar? Die Praxis beweist das Gegenteil. Und auch abseits von Menschen- und Organhandel werden Leben monetarisiert. Hierzulande wird beispielsweise ziemlich exakt kalkuliert, ob sich das Aufstellen einer Verkehrsampel lohnt, wenn das Leben eines Fußgängers mit 1,2 Millionen Euro angesetzt wird. Oder ob sich die Hüft-OP noch rechnet, wenn der Patient schon 75 Jahre alt ist. Oder ob einem Menschen mit 65 noch ein Kredit gewährt werden kann, wenn eine zehnjährige Laufzeit den Erlebensfall fraglich werden lässt. Auch wenn sich der Wert eines Menschen eigentlich nicht in Geld ausdrücken lässt, wird es doch getan. Jeden Tag. Zunehmend. Wer dabei verliert, sind wir selbst." (Auszüge aus Calumedium 3, D. Jarzombek)

Geld ist also nicht neutral, sondern wirkt sich unmittelbar auf uns selbst (Selbstwertgefühl), unsere Beziehungen und unsere gesellschaftliche Teilhabe aus. Die alles durchdringende Ökonomisierung macht auch vor Familie, Liebe und Freundschaften nicht halt. Wer investiert wie viel in wen? Kann die betreffende Person sich das leisten?

Wie finden wir einen Umgang mit Geld, der unsere Souveränität und Authentizität nicht unterminiert, sondern fördert? Wie können wir uns vom Primat der Ökonomie befreien?

Calumed möchte zur Bewusstseinsbildung über die skizzierten, teilweise noch verborgenen Tendenzen beitragen, diesen wehren und auf die Frage nach der Bedeutung dessen, was wir ein menschenwürdiges Leben nennen und wie wir es gestalten und fördern, neue Antworten finden.

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Referenten

(* 20. Juni 1940 in Bergkamen) ist ein deutscher Theologe (früher katholisch), suspendierter Priester, Psychoanalytiker, Schriftsteller und ein bekannter Kirchenkritiker. Er ist ein wichtiger Vertreter der tiefenpsychologischen Exegese.

Drewermann stammt aus einer gemischtkonfessionellen Bergmannsfamilie (Vater evangelisch, Mutter katholisch). Von 1960 bis 1965 studierte er Philosophie in Münster und Katholische Theologie in Paderborn. 1966 wurde er zum Priester geweiht und arbeitete als Studentenseelsorger und ab 1974 als Subsidiar in der Gemeinde St. Georg in Paderborn. Ab 1968 ließ er sich in Göttingen in Neopsychoanalyse ausbilden und habilitierte sich 1978 in katholischer Theologie. Ab 1979 hielt er als Privatdozent Vorlesungen an der theologischen Fakultät Paderborn. Am 8. Oktober 1991 entzog ihm Erzbischof Johannes Joachim Degenhardt (1926–2002) die katholische Lehrbefugnis und im Januar 1992 die Predigtbefugnis. Im März 1992 folgte die Suspension vom Priesteramt. Ursache waren strittige Ansichten Drewermanns in Fragen der Moraltheologie und der Bibelauslegung. Drewermann ist als Schriftsteller, Redner, Psychotherapeut und Seelsorger sowie als Lehrbeauftragter tätig. Seine inhaltlichen Ansätze wie rhetorische Fähigkeiten haben ihn zu einem viel gefragten Redner und Kommentator gemacht.

Auszeichnungen

  • 1992 Herbert-Haag-Preis
  • 1994 Urania-Medaille
  • 2000 Integrationspreis der gemeinnützigen Stiftung Apfelbaum (Köln)
  • 2007 Erich-Fromm-Preis zusammen mit Konstantin Wecker
  • 2011 Internationaler Albert-Schweitzer-Preis zusammen mit Raphaela und Dr. Rolf Maibach

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Mensch werden. Mensch bleiben.