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Dirk

09.01.2022  |  Humans by Calumed

Mit ca. 10 / 11 Jahren hatte ich große Auseinandersetzungen mit meinen Mitmenschen. Ich wurde im Außen ganz anders wahrgenommen als ich mich fühlte, was zu einer großen Unzufriedenheit und eines Abends zu dem Gedanken führte: „Diese Welt ist so lieblos, hier möchte ich nicht sein!“ Am nächsten Morgen beim Aufwachen hörte ich in mir deutlich eine Stimme, die nicht meine war: „Dann zeig Du ihnen doch was Liebe ist.“ Ich erschrak und in dem Moment wurde mir klar, es gibt eine Instanz mit der ich kommunizieren kann. Ich wußte: „Ok, ich habe hier eine Aufgabe in der Familie“ und ich versuche diese so gut wie möglich zu erfüllen.

In Mathe war ich immer ganz gut. So kam ich zur Ausbildung zum Steuerfachgehilfen. Schnell merkte ich, ich muss viel lesen, sitze den ganzen Tag und beschäftige mich mit dem Geld anderer Leute, die sich ärgern, wenn es nicht ganz nach ihren Vorstellungen läuft.

Ich bin jemand, der sich wohlfühlen muss und es muss einen Sinn im Tun geben. Fühle ich mich nicht wohl, dann verändere ich etwas. Also schaute ich mir nach dieser Ausbildung unterschiedlichste Berufe an. Letztendlich sollte es ein handwerklicher Beruf sein, den ich in jedem Land und zu jeder wirtschaftlichen Lage ausführen kann. Ich lernte Schneider und stellte fest, es gibt hierzu mütterlicherseits eine Familientradition!

So wurde ich Gewandmeister, führte eine Schneiderei und mehrere Jahre erfüllte mich dieser Beruf sehr. Dann wurde es in mir wieder unruhig. Ich ging auf Reisen, es ging mir besser, dann wieder diese Schwere in mir. Ich wünschte mir einen Menschen, der mir zeigt, wie es wirklich geht, die Liebe in die Welt zu bringen. Es begegnete mir mein Mentor, der mich viel teilhaben und dadurch wissen ließ, wie es geht. Es gibt keine universelle Formel dafür, es ist keine Religion oder eine Technik. Es ist die Haltung, mit der ich etwas mache.

Nochmal wechselte ich den Beruf und wurde Physiotherapeut. Dieser Beruf bringt mich hautnah mit Menschen in Kontakt und ich darf sie in ihrem Heilungsprozess begleiten und unterstützen.

Hilfreich bei allen Entwicklungen waren Menschen an meiner Seite, die mir immer wieder eine Form von Stabilität durch einen Austausch auf Augenhöhe gaben. Mir wurden keine Ratschläge erteilt, sondern ich wurde in den eigenen Wahrnehmungen bestärkt, um auch neue Wege für mich zu entdecken. Und auch das Erleben und Beobachten des Begleitens anderer Menschen erweiterte meinen Erlebens- und Erfahrungshorizont. Ja, ich habe Freunde, mit denen ich geistig wachsen kann.

Was macht einen Menschen menschlich? Das ist eine schwierige Frage. Im Grunde ist es ein liebenswerter, ein einfühlender Blick auf die Mitmenschen bzw. auf die gesamte Welt. Es ist Empathie für das Leben.

Mensch werden. Mensch bleiben.