Menü

Jörn, 60

13.06.2021  |  Humans by Calumed

Als Jugendlicher stand mein Leben sehr im Zeichen meiner ersten großen Liebe, die einem anderen Jungen galt. Ich war einsam und deprimiert, war der einzige Schwule weit und breit. Beruflich, malte ich mir aus, würde ich wohl Pastor, Lehrer oder Arzt werden, alles anerkannte Berufe, die ein Selbstbewusstsein verkörperten, nach dem ich mich sehnte und die es mir erlauben würden, für andere da zu sein. Und irgendwie hatte ich immer schon eine Ader, es mir unnötig schwer zu machen und so wählte ich die Medizin.

Heute bin ich Psychotherapeut mit eigener Praxis und bin glücklich mit meinem Mann verheiratet. Mission erfüllt, könnte ich sagen. Ich stelle verwundert fest, ich bin tatsächlich alles drei geworden, arbeite als Arzt, Seelsorger und Lehrer (letzteres besonders durch meine Vorträge und Schulungen).

Mit 25 Jahren lernte ich meinen Mentor kennen, er war Therapeut, lebte in langjähriger Beziehung mit einem Mann. Er war mein großes Vorbild, mein Wegbereiter und Wegbegleiter. Durch ihn machte ich direkte Erfahrungen tiefsten Seins, lernte Gott kennen. Meine Zeit mit ihm hat mich sehr geprägt und in die Lage versetzt, meinen Weg zu gehen und meine Herausforderungen zu meistern.

In meinem Leben wie in meiner Therapietätigkeit geht es mir um eine bestimmte Art des Mensch-Seins, darum zu lieben, auch sich selbst und sich lieben lassen zu können. Es geht mir um eine Verbundenheit mit unserer Mitwelt, auch mit der Natur und es geht mir darum, achtsam im Hier und Jetzt zu leben.

Mensch werden. Mensch bleiben.