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Sven, 41

27.06.2021  |  Humans by Calumed

Als Jugendlicher hatte ich eine konfliktreiche Zeit. Ich hatte keine Ahnung, wohin meine Reise gehen könnte, es mangelte an positiven Vorbildern. Ich war vor allem ‚dagegen'. Ich war gegen alles Kleinkarierte, gegen die Schablonen und Konventionen, lehnte mich gegen sogenannte Autoritäten auf. Den ein oder anderen Schulwechsel musste ich dafür in Kauf nehmen.

Beim Lesen von Hermann Hesse witterte ich erstmals, wo es langgehen könnte. Ich spürte, dass ein freies Leben und ein Sinn möglich waren. Ich wusste nur, ich will mit anderen Menschen zusammenarbeiten, sie begleiten und unterstützen, etwas mit ihnen entwickeln. Ich wollte wissen: Was ist das Glück? Was macht mich im Inneren aus? Wie lieben? Und ich entdeckte die Spuren der Unfreiheit vermehrt auch in mir. Ein Studium lag mir fern, ich konnte mir nicht vorstellen auf diesem Weg Antworten auf meine Fragen zu bekommen. Ich machte mich einfach auf. Ich suchte Gleichgesinnte, Menschen, die mich weiterbrachten.

In der Folge besuchte ich einen Freund in Berlin und fand hier eine Atmosphäre von Freiheit und Vielfalt, die mir zusagte. Ich zog nach Berlin und fand durch Zufall zur Samuel-Hahnemann-Schule für Heilpraktiker. Dieser Beruf verhieß die Möglichkeit, einerseits frei und ungebunden zu leben und andererseits, den Geheimnissen des Lebens weiter auf die Spur zu kommen. Der Beruf hielt, was er versprach: Mit Menschen daran zu arbeiten, dass ihr Leben leichter gelingt, ihr Wesen ergründen und freilegen. Zu helfen, ihre Potentiale zu entwickeln und im Spannungsfeld zur Welt, die eigenen Gaben zu bewahren, das ist mein Ding und erfüllt mich mit Freude.
Als ich selbst Vater wurde, begegnete mir noch einmal ein ganzer Sack an Rollenklischees und Rollenerwartungen. Inzwischen hat sich alles gut gefügt, Vatersein ist eine schöne Möglichkeit zu wachsen.

Menschen sind berührbar und verletzlich. Daraus entspringen die großartigsten und die erbärmlichsten Dinge. Diese Verletzlichkeit erkennen, anzunehmen und dann das Beste daraus zu machen, immer mehr in die Liebe und die Erkenntnis hinein zu wachsen, das sehe ich als die Aufgabe von uns Menschen an. Ich bin da gerne dabei.

 

Mensch werden. Mensch bleiben.