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Sven

26.12.2021  |  Humans by Calumed

Ich wollte immer ein rechtschaffener, freier Weisheits- und Kampfkunstlehrer sein, der ein erhebliches Maß an Selbstermächtigung für sich entwickelt hat. Ein Mensch, der diese Kraft durch sich wirken lässt und nutzen kann zum Wohle derer, die ihm begegnen. Das war mein Kindheitstraum und jetzt lebe ich ihn mittlerweile schon viele Jahre und es ist das, was ich auch in Zukunft immer weiter verfeinern und vervollkommnen möchte.

Ich hatte zum Erlernen der Kampfkunst sehr gute Lehrer, die mir nicht nur Kampfkunst, sondern auch die dahinterstehenden Werte vermittelten wie Ehre, Tugend, Respekt, Liebe und Mitgefühl füreinander und vor allem Friedfertigkeit.

Daneben erlernte ich das Schmiedehandwerk und auch hier hatte ich neben meinem Vater einen sehr guten Lehrer. Ich lernte auch das nötige Handwerkszeug herzustellen. Auch das ist weit mehr als nur eine Technik, man lernt dabei fürs Leben. Der Mensch bedient sich der Werkzeuge, um es sich im Leben leichter zu machen. Ein Maß an Freiheit ist, wer in der Lage ist, sich diese Werkzeuge selbst zu erschaffen.

Mit dem Üben der Kampfkunst lernte ich, dass Gewalt nicht die Lösung ist, um das Miteinander wieder in eine Balance zu bringen. Die Anwendung von Gewalt hilft lediglich, um mich in einer unausweichlichen Konfrontation vor Gewalt zu schützen. Dabei löst es das Problem aber nur kurzfristig und es verändert nichts Grundlegendes. Das eine ist das zu wissen, wenn es dich deine Lehrer lehren, aber der nächste Punkt ist es wirklich auch in der Praxis anzuwenden, wenn man selbst in gefährliche Situationen gerät. Mir wurde klar, mein Training muss dazu führen, dass noch im Vorfeld der Eskalation eine Veränderung, ein Verwandeln der Situation möglich wird, sodass es gar nicht zur Gewalt kommen kann. Das heißt, sich noch mehr zu sensibilisieren, die Wahrnehmung zu schulen und ein absolutes Feingefühl entwickeln, welches ein friedvolles Handeln im jeweiligen Augenblick erzeugt. Es geht in gewisser Weise darum zu lernen, wie ich kämpfen kann und doch ohne zu kämpfen. Das Wunder ist die Verbindung vom Handwerk des Schmieds und dem Handwerk des Kriegers. Beides folgt ähnlichen Prinzipien und ergänzt sich total.

Mich berührt vor allem der Zugang zu mir selbst, meiner inneren wahren Natur. Es ist wie inmitten der unberührten Natur auf dieser Erde zu sein und alles, was ist vollständig zu erfassen und wahrzunehmen: Momente der Selbstliebe, die dazu führen, auch Zugang zu anderen Menschen entstehen zu lassen. Das ist sehr erfüllend. Mich berührt die Einzigartigkeit der Menschen. Zu sehen, zu hören und zu fühlen und Menschen zu treffen, die sich selbst lieben und wissen, was zu tun ist: Einfach lieben und leben...

Den Wert der eigene Würde zu erkennen, zu sich selbst zu stehen und damit auch diese bei anderen Menschen zu erkennen und zu wahren, das macht uns zu Menschen.

Mensch werden. Mensch bleiben.